Der SelketalstiegEin historisch bedeutsamer, landschaftlich schöner und vor allem entspannter Weg neben dem Weg der Kaiser und Könige ist der 67 km lange Selketalstieg von Stiege, über Güntersberge, Straßberg, Alexisbad, Mägdesprung ins unterer Selketal bis zur Askanier-Burg Falkenstein, über Meisdorf hinweg nach Gernrode und schließlich ankommend in der UNESCO Weltkulturerbestadt Quedlinburg.

Das Selketal per pedes erleben, heißt pure Natur genießen, abwechslungsreiche Landschaften bewundern und lebendige Geschichte erfahren.

Bremke, Wormke oder Romke sind harztypische Gewässernamen. Die Selke ist der größte Bach dieser Namensfamilie. Eigentlich ist sie schon ein Fluss. Das Einzugsgebiet der Selke im Harz ist geschichtsträchtig und ermöglicht dem aufmerksamen Wanderer einen umfangreichen Einblick in vergangene Jahrhunderte. Die Selke fließt durch das Herzogtum der „Anhaltiner“. Hier liegt ihre Stammburg, die Burg Anhalt, heute Ruine, sowie eine ehemalige Residenz, das Schloss Ballenstedt, mit seinem herrlichen Barockgarten und der Grablege des Markgrafen Albrechts des Bären, des Stammvaters der Askanier und späteren Anhaltiner.

In dem kleinen Herzogtum wurde auch Bergbau betrieben. Es fand sich Silber und sogar etwas Gold, so dass hier Münzen geprägt werden konnten. Später spielte die Eisenverarbeitung eine Rolle, die auch mit künstlerischem Anspruch in Form von Eisenguss betrieben wurde. Ein Staatsbad mit einer kräftigen Stahlquelle (Alexisbad) sollte im 19. Jahrhundert dem Herzogtum Prosperität bringen. Später entstand eine Schmalspurbahn, die heute noch erhalten ist und müden Wanderern eine bequeme Alternative bietet. An der Selke liegt der Ort, an dem vor mehr 150 Jahren Technikgeschichte und die Stelle, wo vor 800 Jahren deutsche Rechtsgeschichte geschrieben wurde.

Sind Sie neugierig geworden? Machen Sie sich auf den Weg und erkunden Sie das Selketal – auf dem Selketal-Stieg.


Wandern auf dem Selketalstieg

1. Etappe Stiege - Alexisbad Länge 23,8 km, Wanderzeit 6,5 Std

Los geht’s am Bahnhof der Selketalbahn in Stiege. Entlang der Selketabahn wandern Sie am Bach Hassel flussaufwärts durch das Wiesengelände, vorbei an der südlich des Wegs gelegenen Hasselquelle. An der Wasserscheide von Hassel und Selke überschreiten Sie nach 2 km den mit 500 m höchsten Punkt des Stiegs und passieren kurz darauf eine der Selkequellen, die unscheinbar abseits des Weges liegt. Ein Stück weiter führt Sie ein Stichweg zu den Grundmauern der Kirche Selkenfeldes – ein Erinnerungsort an die Kaiserzeit der Ottonen um das Jahr 1000. Zurück auf dem Selketal-Stieg erreichen Sie das um 1900 erbaute Albrechtshaus, ein ehemaliges Sanatorium, mit der kleinen Holzkirche im Stil norwegischer Stabkirchen. Von dort gelangen Sie zum Selketalbahn-Haltepunkt Friedrichshöhe, von wo aus Sie entlang der Schienen durch das Naturschutzgebiet Oberes Selketal bis zum Mühlteich (Bergsee) in Güntersberge wandern. Rechter Hand auf dem Kohlberg liegen Wallreste der so genannten Güntersburg, mit 3,1 ha eine der Größten im Harz.
Am Ortsausgang wechseln Sie auf die nördliche Seite der Selke und begleiten den Fluss bis Straßberg durch eine ehemalige Bergbauregion. Noch bis 1989 wurde aus der hiesigen Grube Glasebach Flussspat gefördert, heute erwartet Sie hier ein Besucherbergwerk mit sehenswerten Über- und Unter-Tage-Anlagen. Weiter entlang der Schmalspurbahn gelangen Sie bei der Rinkemühle vorbei am alten Pochwerk, wo die silberhaltigen Bleierze der wichtigsten Silberbergwerke des Unterharzes gepocht wurden. Auf dem Weg nach Silberhütte passieren Sie das Waldinformationszentrum „Unterharzer Waldhof“, ehe der Weg kurz vor dem Bahnhof Silberhütte auf die 400 m hohen Mühlenköpfe zum Hänichen ansteigt. Weiter bergab erreichen Sie schon bald das Etappenziel Alexisbad.

2. Etappe Alexisbad - Meisdorf Länge 20,9 km, Wanderzeit 6 Std

Sie passieren die Selke auf der Schwefelbrücke und wandern entlang der Selketalbahn bis zur B 242, die Sie aber nicht queren. Stattdessen steigen Sie in mehreren Kehren auf den Habichtstein, um oben den Klippenweg zu erreichen, der nach links durch die gestaltete Parklandschaft des „Alexis-Bades“ geleitet. Bequem und fast eben führt er Sie durch den felsigen Talhang der Selke. Hinter dem Friedensdenkmal verlassen Sie den Klippenweg und wandern auf einem Bergrücken vorbei an der Luisenklippe zum Luisentempel. Wenige Schritte bergab erreichen Sie den Pionierweg, dem Sie bergauf folgen. Auf dem schon bald kreuzenden Hohlweg bestaunen Sie nach wenigen Schritten mittelalterliche Fahrspuren im Fels. Zurück an der Kreuzung folgen Sie weiter dem Pionierweg, der kurz darauf in einem Tunnel die Felsformation durchquert.
Vor sich erblicken Sie auf dem Felsen der Schalkenburg die Köthener Hütte, deren Glockenturm ihr zu der Bezeichnung Kapelle verhalf. Dort mündet der Pionierweg wieder in den Klippenweg, dem Sie bis Mädgesprung folgen. Hinter dem Industriemuseum Carlswerk führt Sie eine Brücke über die Selke und Sie wandern fortan am südlichen Selkeufer flussabwärts. An der so genannten „Lampe“ passieren Sie die engste Stelle des Selketals mit gerade einmal 15 m Abstand zwischen den Felsformationen. Über den Ersten bis Vierten Hammer, alle ehemalige Mägdesprunger Hüttenorte, führt Sie der Weg zur Selkemühle. Sie folgen dem Fluss durch das breiter werdende Tal in Richtung Meisdorf und durchwandern das Naturschutzgebiet, das auf 8 km Länge eine einzigartig schöne Flora und Fauna beheimatet. Das nächste Highlight der Etappe ist die Burg Falkenstein, die besterhaltene mittelalterliche Burganlage des Harzes. Hier wurde deutsche Rechtsgeschichte geschrieben, als Eike von Repgow das bis dahin nur mündlich überlieferte Recht der Sachsen zwischen 1221 und 1235 aufgeschrieben hat – den Sachsenspiegel. Um die Burg zu besichtigen, müssen Sie den Selketal-Stieg verlassen und den Eselsstieg erklimmen. Nach der Rückkehr auf den Stieg legen Sie die letzten Kilometer entlang der Selke nach Meisdorf zurück.

3. Etappe Meisdorf - Bad Suderode Länge 16,6 km, Wanderzeit 4,5 Std

Direkt vor dem Eingang der Hotelanlage im Barockschloss Meisdorf wenden Sie sich gen Westen und wandern Richtung Ballenstedt. Durch die Petersberger Trift gelangen Sie zur Rodelandswiese und zum höchstgelegenen Punkt der 18-Loch Golfanlage des Parkhotels Schloss Meisdorf. Sie umwandern den Eckartsberg und blicken vom Waldrand aus in die Feldflur auf eine Halde des historischen Kohlebergbaus. Wenig später genießen Sie den weiten Blick ins Harz-Vorland und passieren die Sandsteinfelsen der Gegensteine, die östlichsten Ausläufer der Teufelsmauer. Am Schlosspark Ballenstedt angekommen empfiehlt sich eine Rast, um den vom königlich-preußischen Gartendirektor Lenné angelegten Park mit der Wasserachse im italienischen Stil zu erleben. Auf dem Fürstenweg wandern Sie am Harzrand mit Ausblicken auf das Harz-Vorland Richtung Gernrode. Vorbei an der Roseburg, mit ihrem ebenfalls sehr schönen Park, erreichen Sie den Osterteich und queren die Selketalbahn. Auf dem Schwesternweg und dem Herrenbergsweg umwandern Sie Gernrode oder machen einen Abstecher in den Ort, um die Stiftskirche St. Cyriakus zu bewundern. Der mehr als 1000-jährige Kirchenbau gehört zu den ältesten Kirchen Nordeuropas und ist das einzige nahezu unveränderte Bauwerk aus ottonischer Zeit. Auf dem Panoramaweg erreichen Sie ihr Etappenziel Bad Suderode.

4. Etappe Bad Suderode - Quedlinburg Länge 9,3 km, Wanderzeit 3 Std.

Sie durchwandern Bad Suderode in nördlicher Richtung, überqueren die neue Trasse der Selketalbahn und wandern an der ersten Bückemühle vorbei entlang des Quarmbachs in Richtung Quarmbeck. Nach etwa 1,5 km erreichen Sie die Dreibogenbrücke, an der Sie auf die andere Seite des Quarmbachs wechseln. Bei Quarmbeck überquert der Selketal-Stieg die Landstraße. Linker Hand blicken Sie auf die Teufelsmauer und vor Ihnen erheben sich die Sandsteinfelsen, auf denen die Quedlinburger Stiftskirche steht. Parallel der Selketalbahn führt der Weg zur Quarmbachsiedlung, wo Sie auf der Schafbrücke die Bode überqueren und in die Ausläufer Quedlinburgs eintreten. Durch den Brühlpark, einen im englischen Stil erweiterten Landschaftsgarten, gelangen Sie in das historische Zentrum der UNESCO-Welterbestadt. Hier, in der Carl-Ritter-Straße, ist das Ziel unserer Selketal-Wanderung. Vor der Heimkehr empfiehlt es sich jedoch, noch die zahlreichen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten Quedlinburgs zu entdecken und zu erleben.